Die DVFA bloggt und „funkt“ nun auch über Social Media …

Liebe Investment Professionals und Freunde der DVFA,

seit Dezember 2013 ”funkt” die DVFA nun auch über Social Media. Zunächst als Soft Launch (”laufen lernen, bevor man mit dem Rennen beginnt”) haben wir unsere Präsenzen auf Twitter, Facebook, XING und LinkedIn Zug um Zug mit interessanten Nachrichten und Hinweisen zu Studien gefüllt, um nunmehr mit der Werbung von Followern zu beginnen. Dies um Ihnen – DVFA-Mitgliedern, -Absolventen und Freunden – eine Orientierung in einem zunehmend unübersichtlichen Umfeld von Postings, Nachrichten und medialen Inhalten zu geben.

Über den DV FA-Blog werden Stefan Bielmeier, Vorstandsvorsitzender des DVFA e.V. und Chefvolkswirt der DZ BANK, und ich noch dazu abwechselnd über Entwicklungen im Markt, interessante Begebenheiten, das was uns bewegt und von dem wir glauben, dass es durchaus kommentierungswürdig ist, berichten – mal ernsthaft, mal launig, mal nachdenklich, mal mit Humor, gemäß dem Motto ”ein Scherz hat oft gefruchtet, wo der Ernst nur Widerstand hervorzurufen pflegte”, wie ein gewisser Herr August von Platen-Hallermünde befand.

Hier nun allerdings eine Nachricht aus dieser Woche, die bei näherer Betrachtung eher nicht zum Scherzen einlädt: eine neue IT-Plattform namens ingage bietet Asset Managern die Möglichkeit, sich auf direktem Wege und unter Umgehung der Sell-side mit Unternehmen in den Dialog zu begeben. Als Online-Marktplatz zielt ingage darauf ab, den Zugang von Fondsmanagern und Buy-side Analysten zum Unternehmensmanagement – Stichwort Corporate Access – zu erleichtern, dies noch dazu zu wesentlich günstigeren Konditionen, als sich die Sell-side dies in aller Regel bezahlen lässt.

Dies scheint mir ein weiteres Signal an die Sell-side zu sein, mit Research echten Mehrwert zu leisten, statt Zahlendrechselei, halbgare Aussagen, die sich hinter einem I/B/E/S-Konsensus verstecken, und grobe Schätzungen abzugeben. Apropos Schätzungen: wie die Financial Times heute auf ihrer Titelseite berichtete lagen das Ergebnis einer großen globalen Bank im 4. Quartal 2013 und die Konsensus-Schätzungen von Analysten schlanke 1,7 Mrd. Euro auseinander.

Häufig werde ich auf Veranstaltungen als Generalsekretär des Finanzanalystenverbands vorgestellt, was so nicht mehr stimmt. Nur noch 20 % der Mitglieder der DVFA arbeiten als Finanzanalysten; knapp 40 % der Mitglieder der DVFA sind Buy-side Vertreter, weitere 25 % arbeiten in den Bereichen Investment Banking und Corporate Finance.

Ich sage dies um deutlich zu machen, dass wir in den vergangenen zehn Jahren eine gewaltige Verschiebung gesehen haben: von der Sell-side auf die Buy-side. Dies bedeutet aber nicht, dass Finanzresearch unwichtig oder obsolet geworden ist. Ganz im Gegenteil: der Abnehmer, d.h. der Fondsmanager und Anleger, ist wählerischer geworden, hat Researchaufgaben sozusagen auf die eigenen Bücher genommen (Buy-side Research), und ist ohnehin in Zeiten, in denen passive Investments enorme Marktanteile gewonnen haben, nicht mehr auf Finanzanalyse angewiesen.

Dennoch (und wie bei einem deutschen Luxus-Retailer): es gibt sie noch, die guten Sachen! Broker, die Themen wie Corporate Governance oder Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil ihrer Researchs machen, die eine intelligente Verzahnung von Aktien- mit Anleihenresearch betreiben, die in einem positiven Sinne nach kommerziellen Gesichtspunkten attraktive Unternehmen auch jenseits der bekannten und heillos über-coverten Indizes zum Anleger bringen – für diese Broker zählt die Ausdünnung der Finanzanalysten-Population nicht rückwärts.

Man  kann es auch so sehen: Investitionsentscheidungen müssen gerechnet werden, Investment-Kalkulation ist essenziell, keine Frage, aber wer (als Finanzanalyst) seinem Modell mehr vertraut, als einer, zugegeben, finanzmathematisch nicht sinnvoll zu analysierenden Qualität des Managements, der Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen, des zugrunde liegenden Risiko von Unternehmen, der blendet die andere Seite der Investition – Investment Judgment – aus. Dies ist keine neue Erkenntnis: schon seit Jahren geben Fondsmanager in Umfragen an, was sie an Sell-side Analysten schätzen: profunde Branchenkenntnisse, Mut zu eigenen Thesen, gute Kontakte zu Unternehmen (wobei sich der Kreis zu Corporate Access schließt).

Wettbewerb ist gut für den Markt, so beurteile ich das Angebot von ingage. Ich hoffe, dass sich die Researchindustrie davon inspirieren lässt. Corporate Access ohne begleitendes Research scheint mir nicht die letzte Antwort zu sein. Kein Research ist auch keine Lösung.

In diesem Sinne – bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

2 Kommentar(e) zu “Die DVFA bloggt und „funkt“ nun auch über Social Media …

  1. Oliver Vollbrecht

    Prima, dass die DVFA diesen beherzten Schritt in die digitale Welt geht! Bin gespannt, wie online-affin die Community ist und wieviel Diskurs sich hier entwickelt. In Abwandlung von Karl Valentin: Online ist schön, macht aber viel Arbeit. Möge die Arbeit durch Feedback und Teilnahme belohnt werden. Corporate Access und insbesondere die Änderungen in UK waren gestern übrigens auch Thema bei der IR-Konferenz.
    Oliver Vollbrecht / CEFA
    GESCO AG

    Antworten
  2. Patrick Kiss

    Dass die Sell-Side für Corporate Access und Research wichtig bleibt, belegen Zahlen von Rivel Research, die auf der Konferenz „IR 2014“ vorgestellt wurden:

    How the Investment Community Makes Decisions about IR
    Claire Lavery, Vice President, Rivel Research Group
    PDF, 5.2 MB

    Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Patrick Kiss Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.