Corporate Governance – Compliance oder gute Unternehmensführung?

Liebe Investment Professionals, liebe Freunde der DVFA,

am vergangenen Dienstag lud „Die Welt“ nach Berlin ein zu „Zukunftsplan Corporate Governance“. Namhafte Konzernlenker und Aufsichtsräte wie u.a Manfred Gentz (Vorsitzender Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex), Joachim Faber (Vorsitzender des Aufsichtsrates Deutsche Börse AG) oder Manfred Schneider (ex-Aufsichtsratsvorsitzender Bayer AG), sowie renommierte Akademiker, Experten und Vertreter großer Assetmanager nahmen an der Konferenz in der 19. Etage des Axel-Springer-Hauses teil. Co-Veranstalter war die Union Invest, die bereits seit Jahren ihren Ruf als deutsches „Corporate Engagement“-Haus No. 1 behauptet.

Es erscheint mir immer wieder als geradezu augenfällig, wie stark immer noch die Trennlinie in der Corporate Governance (CG) zwischen der Auslegung „CG als Compliance“ d.h. der Befolgung des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) auf der einen Seite, und CG als „gute Unternehmensführung“ andererseits verläuft. Ersteres ist kaum verwunderlich die Position vieler Juristen und konsequenterweise auch vieler Unternehmen: ist die Entsprechenserklärung mit dem DCGK abgegeben, dann ist die Anforderung nach guter CG damit erfüllt. Investoren hingegen vertreten häufig ein viel generischeres Modell von CG, nämlich dass Unternehmen nicht nur Rechtsvorschriften erfüllen, sondern insbesondere ihre Erwartungen und Ansprüche ernst nehmen. Hier verbinden sich die Forderungen nach rechtschaffenem und verantwortlichem Unternehmertum mit Forderungen nach nachhaltigem Wirtschaften, wie die Veröffentlichungen und Stellungnahmen des in London ansässigen International Corporate Governance Networks (ICGN), eine massgeblich von Assetownern getragenen Organisation, belegen.

Mir scheint es, dass bedingt durch die unterschiedlichen Auffassungen von CG zum einen als Rechts- zum anderen als Verhaltensvorschrift vorprogrammiert ist, dass Vertreter der beiden Ansätze zwangsläufig aneinander vorbeireden. Auf den Punkt gebracht bedeuten die unterschiedlichen Auslegungen, dass die eine Denkschule bei entsprechender Umsetzung „aus dem Schneider ist“, während die Investoren-Denkschule klar konstatiert, dass auch ein Unternehmen mit einer lupenreinen Entsprechenserklärung schlechte CG praktizieren kann.

Sei es drum: Corporate Engagement, die dialogische Auseinandersetzung von Investoren mit Unternehmen auf Hauptversammlungen oder in Einzelgesprächen, das zum Ziel hat, auf Unternehmen einzuwirken (statt das Unternehmen öffentlich anzuprangern), hat seinen Siegeszug angetreten. Mehr und mehr Assetmanager wissen, dass sich manch Missstände bei Unternehmen eher durch den Dialog abstellen lassen. Eine hartnäckige und beständige Kommunikation mit dem Management, in der mit „Florett und Stil“ Rechenschaft (Accountability) eingefordert wird, führt häufig eher zum Ziel als Abstimmen mit den Füssen. Ich persönlich bin sehr froh, dass sich diese Praxis langsam aber sicher auch im deutschen Aktienmarkt durchsetzt.

In dem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende.

Bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

 

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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