„Das Risikoparadox: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der DVFA,

ich möchte Sie heute auf eine Neuerscheinung im Sachbuch-Markt aufmerksam machen.

Prof. Ortwin Renn, Professor für Umwelt und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart und Mitglied der Arbeitsgruppe Ethik und Finanzwirtschaft im gemeinnützigen DVFA Institut hat mit „Das Risikoparadox: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“ (erschienen im Fischer Verlag) ein interessantes Werk über Risiko und wie wir es wahrnehmen vorgelegt.

Es sind die Sensationsmeldungen in den Medien, die täglich neuen Hiobsbotschaften zu steigender Kriminalität, Seuchen oder Umweltfolgen, die uns suggerieren, dass unser Leben immer gefährlicher, unsicherer, risikoreicher wird. Stimmt das? Ortwin Renn, einer der international bekanntesten Risikoforscher und renommierter Technik- und Umweltsoziologe, sagt: Nein. Wir fürchten uns vor „falschen“ Gefahren, verschließen aber die Augen vor Risiken, die uns und unsere Nachwelt erheblich bedrohen. Renn zeigt, welche diese sind, warum wir sie unterschätzen und wie wir im Sinne der Nachhaltigkeit verantwortungsvoll damit umgehen können.

Dieses Buch ist brillant und anschaulich geschrieben, dabei informativ und lehrreich. Vor allem der zweite Teil zeigt eindrücklich, wie leicht wir uns durch Medienberichte oder Stammtischgespräche in die Irre führen lasse. Ob Renns Optimismus angebracht ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Insbesondere seine Versicherung, dass Risikomündigkeit und Bürgerbeteiligung dazu beitragen, die Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen, bereitet mir argen Zweifel. Vielleicht ist es meine Beschäftigung mit Verhaltensökonomie und Behavioral Finance, die es mir eher plausibel erscheinen lassen, intelligente „choice options“ (-> Richard Thaler & Cass Sunstein, „Nudge“, ein ebenso empfehlenswertes Werk) könnten in punkto Umgang mit Risiko die besseren Mittel sein.

In diesem Sinne: bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

Kommentare zu “„Das Risikoparadox: Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“

  1. Andreas Laufen

    Ich kann mich dem positiven Urteil von Herrn Frank nur anschließen. Ich bin seit vielen Jahren im Gesundheitssektor tätig und kann nur bestätigen: alles, was Ortwin Renn über die gesundheitlichen Risiken in Deutschland aussagt, kann ich nur unterstreichen. Keine Schönfärberei, keine Verharmlosung und keine Dramatisierung. Er hat alles auf den Punkt gebracht. Gleichzeitig habe ich viel Neues gelernt und manche meiner lieb-gewonnenen Vorurteile über Bord geworfen. Vor allem der zweite Teil hat mir einen Spiegel vorgehalten, wie leicht ich mich durch Medienberichte oder Stammtischgespräche in die Irre führen lasse. Viel gelernt habe ich auch über die sogenannten systemischen Risiken, wie die Finanzkrise. Aber davon verstehen Sie wahrscheinlich mehr als ich. Widersprechen möchte ich aber Ihrer Skepsis zur Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger. Ich bin auch nicht optimistisch, was unsere Politiker anbetrifft, aber dass wir alle das Zeug haben, uns angemessen über Risiken informieren zu können und auch danach zu handeln, das glaube ich schon. Und mit dem Buch von Renn ist das auch gut möglich. Ich habe jedenfalls schon einige meiner Gewohnheiten und Alttgaspraktiken geändert.

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