Kollektiv Lernen

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der DVFA,

heute Abend werden in einem feierlichen Rahmen Absolventen der DVFA Finanzakademie ihre Diplome überreicht. In 2013 haben 220 zumeist junge Berufsangehörige bei der DVFA an einem Programm teilgenommen. Derzeit arbeiten in Deutschland mehr als 4.000 Menschen, die ein Kürzel von der DVFA hinter ihrem Namen tragen, sei es der DVFA Investment Analyst, der CEFA, der CIIA, der CCrA, der CeFM, der CREA oder – unser jüngster Abschluss – der CRM.

Wenn ich häufig auf Absolventen treffe, dann höre ich gelegentlich “ich habe auch DVFA”. Diesen Abschluss gibt es natürlich nicht. Gemeint ist dann meistens der “klassische” DVFA-Abschluss, früher der CEFA, heute der CIIA. Der Hinweis auf den Abschluss “DVFA” gefällt mir aber. Das ist fast schon ein Householdname, und zeigt, dass ein Abschluss der DVFA so etwas wie die höheren Weihen darstellt.

Im Ausbildungsmarkt wird schon seit einigen Jahren verstärkt für eine technologische Innovation geworben, Stichwort: eLearning. In jüngerer Zeit rüsten nun auch die Universitäten auf und bieten sogenannte MOOCs an (“massive open online courses”). Ganze Seminare und Vorlesungen werden kostenfrei online gestellt und können konsumiert werden, ohne dass sich der Teilnehmer dazu einschreiben muss. Propagiert wird das Ganze dann als eine basisdemokratische Übung, freies Lernen für freie Bürger sozusagen. Über alle Bevölkerungsschichten hinweg, ohne Zugangsvoraussetzungen, egal, ob im Schrebergarten, in der S-Bahn oder daheim auf dem Sofa kann nun der Wissenshunger gestillt werden, was es auch sei: von Grundlagen der Volkswirtschaft, über Luhmanns Systemtheorie bis hin zur Anatomie der Paarhufer.

Mal ganz deutlich gefragt: sitzen wir demnächst zum Lernen nur noch vor der Glotze oder mit dem Tablet am Küchentisch? Wer eLearning sagt, muss sagen, was er damit meint. Der Begriff selber sagt gar nichts und wird mittlerweile wahllos verwendet für jegliche Lerninhalte, die auch nur entfernt digital daherkommen. eLearning, das können Webinare sein, Lernfilme (die älteren unter uns erinnern sich noch an das Telekolleg), online Prüfungsaufgaben (wie man sie heute für die theoretische Führerschein- oder Segelscheinprüfung zuhauf im Netz findet) oder gar Serious Games, d.h. Lehrangebote in Form von Spielen. Welches Format zum Einsatz kommt, und sich für den Zwecke der Wissensvermittlung eignet, das hängt von dem didaktischen Konzept ab.

Die DVFA hat schon in 2013 damit begonnen, eLearning in Form von Lernfilmen anzubieten. In diesem Jahr werden noch Webinare hinzukommen, sowie kleinere Apps mit Prüfungsfragen zum Zweck dessen, was Didaktiker Lernstandskontrolle nennen. Werden die DVFA e-Angebote unsere Schulungen ersetzen? Nein, werden sie nicht. Wenngleich im Executive-Bereich eLearning-Angebote schon heute teilweise den Teilnehmer davon befreien, die Schulbank im DVFA-Center drücken zu müssen, setzen wir auch zukünftig auf Präsenzunterricht. Dafür gibt es zwei sehr schlagende Gründe: zum ersten ist begleitetes Lernen in einem Kurs mit anderen Teilnehmern wesentlich schneller und effektiver als ein Selbststudium es in aller Regel ist. Anstelle von jahrelangem Freischaufeln von Zeit zum Lernen und Vorbereiten auf die Prüfung, und in ständigen Konflikt mit Job, Partnerschaft und dem “inneren Schweinehund”, absolviert man bei der DVFA z.B. den CIIA über 8 Monate und insgesamt 28 Unterrichtstagen sozusagen im Kollektiv und hat den Vorteil, mit anderen gemeinsam zu lernen und sich auszutauschen. Wobei wir beim zweiten wichtigen Grund für den F2F-Unterricht sind: über das kollektive Lernen (und den gemeinsamen Gang durch harte Prüfungen) bilden sich in jedem Jahrgang “communities of practice”, die z.T. durch das ganze Berufsleben hindurch bestehen bleiben. Wir wissen von Jahrgängen des DVFA Investment Analyst und von einigen CEFA-Jahrgängen, dass sich die Teilnehmer z.T. noch 20 Jahre nach dem Diplom regelmäßig treffen.

Eine community of practice quasi höherer Ordnung, das ist die DVFA als Standesorganisation aller Investment Professionals in Deutschland. Wir stehen für Dialog und Netzwerken. Also: nichts ist logischer als auch in der Finanzakademie diesen Weg weiter zu verfolgen.

In diesem Sinne: bleiben Sie uns gewogen und kommen Sie gut ins Wochenende,

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.