Stock Picking Skills of SEC Employees – Wenn Schuster schlechte Schuhe tragen

Liebe DVFA-Mitglieder, liebe Freunde,

Frank am Freitag kommt aus gegebenem Anlass einmal zwischendurch am Sonntag.

„Schuster haben die abgetragensten Schuhe“, sagt der Volksmund. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, kommt eine wissenschaftliche Studie mit dem unverhohlen sarkastischen Titel „Stock Picking Skills of SEC Employees“ (http://www.darden.virginia.edu/web/uploadedFiles/RajgopalSECtradingpaper.PDF) zu einem brisanten Ergebnis.

Die Autoren schreiben „We find that at least some of these SEC employee trading profits are information based, as they tend to divest (i) in the run-up to SEC enforcement actions; and (ii) in the interim period between a corporate insider’s paper-based filing of the sale of restricted stock with the SEC and the appearance of the electronic record of such sale online on EDGAR.“ Auf gut Deutsch: Mitarbeiter der SEC haben sich als Insider betätigt und vor dem Markt ihnen exklusiv verfügbare Informationen illegalerweise zunutze gemacht, nämlich u.a. ihr Wissen um bevorstehende Aktionen gegen in den USA notierten Aktiengesellschaften. Ein Beispiel gefällig: bei Geschäften mit amerikanischen Aktien erzielten Mitarbeiter der SEC eine um 8,5 Prozentpunkte überdurchschnittliche Rendite.

Die Studie stützt sich auf Daten zu knapp 7000 Wertpapiergeschäften von SEC-Mitarbeitern in den Jahren 2009 bis 2011. Dabei hatten die beiden Forscher keinen Zugang zu den individuellen Wertpapiergeschäften von SEC-Mitarbeitern, sondern synthetisierten ein Aktienportfolio, das Papiere enthielt, deren Käufe und Verkäufe Mitarbeiter der SEC ihrem Arbeitgeber melden mussten. Interessant in diesem Zusammenhang, dass Angestellte der SEC auch mit Leerverkäufen auf fallende Kurse setzten. Anlässe für Verkäufe waren neben Strafsanktionen der SEC gegen börsennotierte Unternehmen auch Aktien Zu- und Verkäufe von Senior Managern börsennotierter Unternehmen.

Die SEC wehrt sich allerdings gegen die Vorwürfe: Sie gibt an, dass Mitarbeiter in manchen Fällen verpflichtet seien, Aktien von Unternehmen zu verkaufen, wenn gegen das Unternehmen ermittelt werde. Dies, um Interessenkonflikte auszuschließen.

Wie muss man sich das vorstellen? Ein Mitarbeiter hält Aktien, sagen wir einmal von „Johnson & Johnson“. Der SEC liegt nun ein Indiz vor, dass es bei dem Unternehmen eine Unregelmäßigkeit gegeben hat, und sie leitet Ermittlungen ein, und weist die mit diesem Fall betrauten Mitarbeitet an, ihre Aktienbestände glatt zu stellen. Ist das eine sinnvolle Policy? Wohl kaum!

Die SEC könnte ihren Mitarbeitern ein Handelsverbot über das Zeitfenster der Ermittlungen verhängen, ähnlich wie Unternehmen das im Zusammenhang mit der Ausübung von Stock Options tun, wenn wichtige Corporate Actions anstehen. Noch „sauberer“ wäre es allerdings, wenn die Behörde Policies anwenden würde, die z.B. heute für Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gelten. Diese dürfen weder in Aktien noch Anleihen noch indirekt in Unternehmen investieren, die zu den Kunden des Arbeitgebers zählen. Und das gilt auch für die nächsten Angehörigen inklusive Eltern, Geschwister, Schwiegereltern, Schwägerinnen und Schwäger. Nur dann wäre sichergestellt, dass Insider-Informationen für die Mitarbeiter der SEC wertlos wären (es sei denn, sie würden auf dem „freien Markt“ als Dienstgeheimnisse verkauft, aber es ist davon auszugehen, dass die SEC dieses schon heute als Straftatbestand ahnden würde.)

Es fehlt eine Debatte in unseren Kapitalmärkten: die Debatte über die Qualität von Regulierungsmassnahmen und Policies, insbesondere, wie ein sinnvolles Enforcement aussehen könnte. Im US-amerikanischen Markt, in dem traditionell viele Menschen ihre Altersvorsorge über Investments in Aktien tätigen – löblich und auch in Europa wünschenswert! – ist das Verbot in Aktien zu investieren eine ziemlich drakonische Massnahmen. Wenn man es richtig machen wollte hiesse dies für Mitarbeiter der SEC, überhaupt keine Investments in Wertpapiere US-amerikanisch gelisteter Unternehmen zu gestatten. Dennoch: wenn man es mit RegFD und der Verhinderung von Insiderhandel ernst meint, dann müsste die SEC ein solches Verbot verhängen. Und ach ja: wie wird dies eigentlich bei den europäischen Aufsichtsbehörden gehandhabt und überwacht? Ein Schurke sei, wer Böses denkt.

In diesem Sinne: bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

 

 

 

 

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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