Aktienmärkte: Auf der Suche nach Rendite

Auf der assetklassenübergreifenden Suche nach Rendite ist es weiterhin schwer, gute Investments zu finden. In den meisten Märkten ist bei einem Kauf heute weniger Rendite zu erzielen als noch im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Dies betrifft neben Staatsanleihen (auch der Peripherie) nicht nur High Yields und bonitätsstarke Unternehmensanleihen, sondern inzwischen auch die Aktienmärkte, legt man dort die Dividendenrendite als Maßstab zugrunde. Anleger befinden sich damit heute in einem größeren Dilemma als noch vor einem Jahr.

Am US-Aktienmarkt wird es bald wieder spannend. Dort steht die Berichtssaison zum ersten Quartal 2014 an, den Auftakt wird wie üblich der Aluminiumproduzent Alcoa (8. April) bestreiten. Zwar dürften in der bevorstehenden Berichtssaison vereinzelt Unternehmensergebnisse enttäuschen, der breite Markt dürfte die vorübergehende (wetterbedingte) Schwäche in Q1 aber schnell abhaken. Die Gewinnschätzungen für das Auftaktquartal sind in den vergangenen Wochen so stark reduziert worden, dass nun gute Chancen bestehen, dass die tatsächlichen Zahlen besser als erwartet ausfallen werden. Einem ähnlichen „Drehbuch“ dürfte auch die Berichtssaison in Europa etwas später im Monat folgen.

Gute Berichtsdaten, Krim-Krise beigelegt, positive Einkaufsmanagerindizes, tiefe Zinsen: Für die (US-)Aktienmärkte sehen die Zukunftsperspektiven auf dem Papier sehr rosig aus. Wäre da nicht die teure Bewertung. Diese hat sich in den USA erneut ausgeweitet, zieht man Parameter wie das Shiller-KGV („PE10“) heran. Dieses liegt aktuell bei 26,2 und damit 58% über dem Durchschnitt seit 1881. Nur während der extremen Bullenmärkte des letzten Jahrhunderts, die in den Crashs 1929 und 2000 mündeten, sowie im Sommer 2007 war der Bewertungsexzess am amerikanischen Aktienmarkt noch stärker ausgeprägt.

Deutlich günstiger hingegen fällt die Bewertung der Aktienmärkte in den Emerging Markets aus. Vergleicht man dort das aktuelle KGV und KBV mit dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, so zeigt sich eine deutliche Unterbewertung verschiedener Märkte. Insbesondere sind auch drei der vier BRIC-Märkte mit einer bedeutenden Unterbewertung im historischen Vergleich konfrontiert. Der russische Markt wies dabei traditionell eine Risikoprämie auf, die sich in einer niedrigeren Bewertung im Vergleich zu anderen Schwellenländern ausdrückte. Durch den Krim-Konflikt hat sich diese Risikoprämie zuletzt ausgeweitet. Insgesamt wachsen die Schwellenländer heute zwar schwächer als früher, jedoch scheint schon ein Großteil der negativen Erwartungen in den aktuellen Kursen eingepreist. Erfahrungsgemäß bieten unbeliebte und ignorierte Märkte langfristig deutlich höhere Renditechancen als beliebte und teure Märkte. Dementsprechend könnten Anleger hier eine Beimischung auf der Aktienseite in Erwägung ziehen. Auch wir prüfen hier Neuinvestitionen.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bielmeier

Über Stefan Bielmeier

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ BANK AG. Seit Mai 2010 ist Stefan Bielmeier Vorstandsmitglied der DVFA, seit Mai 2012 Vorstandsvorsitzender.

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