Können wir CoCos?

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

wir befinden uns immer noch in derselben Bankenkrise, und das seit nunmehr 7 Jahren. Aber jetzt kommen Contingent Convertible Bonds – oder kurz „CoCo-Bonds“ oder „CoCos“ als Wunderwaffe auf den Plan. Die Lösung für die schlechte Eigenkapitalausstattung vieler Banken, die sie anfällig für Krisen macht. Meinen die einen. Die anderen sehen darin ein weiteres riskantes Produkt mit Tücken (für den Anleger, nicht den Emittenten). Was ist dran an CoCos?

Die DVFA hat als sich CoCos einmal genauer angeschaut, und wird in der kommenden Woche ein Positionspapier dazu veröffentlichen. Hier schon einmal vorab die wichtigsten Eckpunkte:

1. Lag das Emissionsvolumen dieser Papiere 2013 europaweit noch bei gut 10 Milliarden Euro, so waren es bis März 2014 bereits 7 Milliarden. Die DVFA rechnet mit einem starken Anstieg der Emissionstätigkeit in den nächsten Monaten.
2. CoCo-Bonds sind Wandelanleihen von Banken, die in der Lage sind, das Eigenkapital unter bestimmten Voraussetzungen zu erhöhen, indem sie bei Erreichen eines bestimmten Auslösers je nach Ausgestaltung entweder in Aktien gewandelt oder ganz, teilweise oder temporär abgeschrieben werden. Es gibt sich Spielarten, Obacht ist geboten.
3. CoCos haben zwei wesentliche Merkmale, die darüber entscheiden, wie riskant sie eigentlich sind. Zum einen der Auslöser, das kann eine Kennzahl wie die Eigenkapitalquote sein, oder auch eine offizielle Ausrufung einer Finanzkrise durch den Regulator. Wird der Auslöser erreicht, dann werden Anleiheanteile in Aktien getauscht, oder das Fremdkapital der CoCos wird herunter geschrieben oder ganz abgeschrieben („write-down CoCos“). Zum anderen ist die Konversionsquote wichtig, denn es kommen unterschiedliche Anrechnungen zum Tragen: nominell d.h. X Anleiheanteil für Y Aktien, oder X Anleiheanteile für eine fixe Summe Eigenkapital. Wichtig auch noch, auf welchen Aktienpreis referenziert wird (Zeitpunkt der Emission oder der Wandlung?).
4. Die DVFA fordert Standards für CoCo-Emissionen:
– Nur eine zuvor festgelegte Unterschreitung einer Eigenkapitalquote sollte die Konversion auslösen sollte. Andere Spielarten wie ein Rating-Downgrade oder das Unterschreiten eines Aktienkurses sind aberwitzig.
– Die einer Konversionsregel zugrunde liegende Eigenkapitalquote sollte jederzeit nachvollziehbar, in ihrer Grundlage nachzurechnen, und über Perioden und regulatorische Vorgaben hinweg konstant bleiben
– Die Berechnungsgrundlage für die Eigenkapitalquote sollte ausgewiesen und in den Konditionen festgeschrieben sein.
– Der Auslöser ist hoch anzusetzen, um eine frühzeitige Wandlung zu bewirken. d.h.
∆ Eigenkapitalquote t(Emission) – Eigenkapitalquote t(Trigger) ≥ 5 Prozentpunkte.
– Die Wandlungsquote sollte sich auf einen nominellen Wert des Eigenkapitals zum Nennwert ODER auf eine zum Zeitpunkt der Emission fixierte Anzahl von Aktien beziehen.
– Es sollten keine Klauseln bestehen, nach denen der Emittent den CoCo unter bestimmten Bedingungen abschreiben kann (write-down).
Der Emittent sollte seine Off-Balance Sheet-Aktivitäten offen legen.
– Vor der Emission sollten die wesentlichen Konditionen des CoCo und die Schutzklauseln werden in einer Zusammenfassung mitgeteilt werden.

Während im Markt noch über Sinn und Unsinn von CoCos räsoniert wird, hört man schon die Trippelschritte von  in der Finanzkrise als Mütter allen Übels bezeichneten Produkten: ABS und Verbriefung, sie sind wieder da! Sie sind längst schon rehabilitiert, wohlgemerkt von der Politik, die in ihnen ein wichtiges Instrument für die Refinanzierung der Mittelstands-, Infrastruktur- und Projektfinanzierung sieht.

Und? Sind CoCos und ABS die ersten beiden der apokalyptischen Reiter, die dem Kapitalmärkten nun Chaos, Tod, Verderbnis bringen werden?

Die DVFA steht nicht für „Zocken“ sondern für Investmentanalyse. Deshalb finden wir, man sollte gegenüber Finanzinstrumenten keine normativen Grundhaltungen einnehmen. Es gibt keine „guten“ und „bösen“ Investment-Vehikel. Es geht um Handwerk, nicht um Bevormundung.Was zählt, dass ist, ob die Produkte handwerklich einwandfrei sind, ob ihre Merkmale entsprechend gut dokumentiert sind, und ob sie in integrer Art konzipiert wurden. Danach gilt „horses for courses“.

Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage. Kommen Sie gut über die Runden und bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

 

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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