Ein unmoralisches Angebot

Die Meldung kam aus heiterem Himmel. Anfang vergangener Woche stellte Mox Telecom wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht und flüchtete unter den Schutzschirm der Insolvenzordnung. Als Grund nannte das Unternehmen, dass auslaufende Finanzierungen im Umfang von 30 Mio. Euro von den beteiligten Banken nicht verlängert worden waren. Nun solle ein Sanierungsplan erarbeitet werden, mit denen die Gesellschaft nachhaltig restrukturiert werden könne.

Im Gegensatz zu den meisten vorangegangenen Insolvenzmeldungen haben vor der Ankündigung weder Aktie noch Anleihe Anzeichen von Schwäche gezeigt. Im Gegenteil, die Aktie notierte auf einem Dreijahreshoch, die Anleihe knapp unter pari. Was auch nachvollziehbar war, schließlich hatte Creditreform das Investmentgrade Rating von BBB noch im September bestätigt. Damit musste – wie bei Mifa und Getgoods – ein Emittent Insolvenzantrag stellen, dem eine Ratingagentur zuvor eine stark befriedigende Bonität attestiert hatte.

Ungleich höheren Einfluss auf den Überraschungsfaktor dürfte jedoch die Kommunikationspolitik des Unternehmens gehabt haben. Gerade sechs Wochen sind vergangen, seitdem das Management die Öffentlichkeit in einer euphorisierenden Pressemitteilung darüber informierte, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis erreicht hatte und auch für 2014 ein „moderates und organisches Wachstum“ erwartet werde. Das Unternehmen, das sich auf seiner Homepage in einer Schlagwortwolke vor allem zu „Management“, „People“ und „Ressourcen“ bekennt, hielt es dabei mit keiner Silbe für erforderlich, die Öffentlichkeit über den ganz offensichtlich schleppenden Fortgang der Bankenverhandlungen zu informieren. Letztlich bleibt ungeklärt, warum die Banken dem „Hidden Champion der Whitelabel Deal Betriebssysteme“ (so die eigene Kurzbeschreibung) das Vertrauen entzogen haben.

Nachdem das Gericht dem Antrag auf ein Schutzschirmverfahren bereits am Freitag stattgeben hat, ist davon auszugehen, dass die Gesellschaft die Anleihegläubiger im Rahmen der geplanten finanziellen Restrukturierung um Zustimmung zu einer Änderung der Anleihebedingungen bitten wird. Bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit wurden die Anleihegläubiger bestenfalls zu einer Stundung oder einem Verzicht auf Zinszahlungen aufgefordert, schlimmstenfalls zu einem umfangreichen Tilgungsverzicht. Da vom Insolvenzantrag ausschließlich die Holding Mox Telecom AG betroffen ist, nicht aber die operativen Tochterunternehmen – die laut Mitteilung „überwiegend profitabel“ arbeiten – muss sich der geneigte Anleger durchaus die Frage stellen, warum er einem solchen Angebot zustimmen soll.

Disclaimer: Die in der Reihe Positionen im DVFA-Blog vertretenen Meinungen geben nicht unbedingt die Position der DVFA wieder.

Über Peter Thilo Hasler

Peter Thilo Hasler, CEFA ist Gründer und Analyst der Sphene Capital GmbH. Er ist Mitglied des Vorstands des DVFA e.V. und Dozent für Unternehmensbewertung an der Münchener FOM.

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