Finanzielle Gesundheit von Banken – wie messen?

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

ich hatte in dieser Woche Gelegenheit, an einem Workshop zu „Systemic Risk and Regulatory Market Risk Measures“ an der Parmenides Foundation in Pullach teilzunehmen. Es ging im Kern um die Frage, welche Risikomaße eigentlich in der Bankenregulierung zum Tragen kommen sollten, und welche genutzt werden. Kein vergnügungssteuerpflichtiges Thema. Noch dazu, wenn man sich in Gesellschaft von Physikern und Mathematikern befindet.

Habe aber dennoch etwas hoch interessantes mitgenommen. Ich erspare Ihnen an dieser Stelle einen Bericht über so attraktive Fragestellungen wie „ist Value-at-Risk (VaR) oder Expected Loss (EL) die bessere Kennzahl?“, und komme gleich zu dem, was mich an der Debatte interessiert. Ein wesentlicher Fehler in der Herangehensweise herkömmlicher Regulierung und der Bemessung von Risikokennzahlen beruht auf einer tückischen Annahme, die zunächst ganz unauffällig daherkommt, nämlich dass sich aus der Mikro-Betrachtung von Risiken, d.h. der Ebene einzelner Institute Rückschlüsse für die Makro-Betrachtung, d.h. dem Risiko des Marktes ziehen lassen. Heißt im Klartext: wenn sich alle Institute innerhalb meiner Risikobemessung im grünen Bereich befinden, dann befindet sich auch der Markt im grünen Bereich. Wenn das Risiko einzelner Banken reduziert wird, dann sinkt auch das systemische Risiko. Ist das so?

Die Arbeiten von Stefano Battiston, einem der Referenten des Workshops, sprechen eine ganz andere Sprache! Battiston versteht die Konnektivität von Banken untereinander als eigenen Risikofaktor. Das ist per se nichts neues. Gerne wird in diesem Zusammenhang von „Contagion“, zu deutsch: Ansteckung gesprochen. Es ist aber laut Battiston nicht die Ansteckungsgefahr – so wie bei einem Schnupfen -, sondern, um Bild zu bleiben, die Verbindung über die Blutbahn, von der die Gefahr ausgeht.

Praktisch alle Banken sind einander Gläubiger und Schuldner. Wenn die Assets auf der Aktivseite von Bank A gleichzeitig auch als Liabilities auf der Passivseite von Bank B auftauchen, dann ist klar, dass Bank A, wenn sie notleidend wird, in einem hochgradig verlinkten Interbankengeschäft automatisch Bank B (und andere) in Mitleidenschaft ziehen kann. Damit rückt der Grad der gegenseitigen Abhängigkeit in den Mittelpunkt und der wird massgeblich über den Grad der Diversifizierung der Netzwerkverbindungen gesteuert. Battistons Modell der „default cascades“ ist ein Novum und schlägt den Bogen zwischen mikro- und makro-Bemessung von Risiken. Noch dazu, da Battiston eine neue Risikokennzahl vorschlägt: „Debt Rank“ bemisst, wie stark der Einfluss einer Bank als Netzwerkknoten im Finanzmarkt ist. Mehr von Stefano Battiston finden Sie hier: http://bit.ly/1mjcoDg und auch hier: http://bit.ly/1laZGK6

Kommen Sie gut ins Wochenende und viel Spaß an Pfingsten.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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