Fehlende Liquidität am Rentenmarkt – ein Problem für Notenbanken und ein Problem, erzeugt durch Notenbanken

Am Rentenmarkt macht sich dieser Tage eine gewisse Lethargie breit: von großer Spannung keine Spur. Bei dieser Feststellung geht es weniger um das eher kurzfristige, regelmäßig wiederkehrende Abflauen des Handelsgeschehens über die Sommerwochen. Vielmehr deuten die längerfristigen Trends der zurückliegenden Monate und Jahre auf eine strukturelle Lustlosigkeit unter den Rentenhändlern hin.

Eine stark verminderte Handelsspanne, wie aktuell zu beobachten, geht einher mit einem im Trend nachlassenden Handelsvolumen. So sind im Bund-Future seit dem Heraufziehen der Lehman-Turbulenzen, anders als zuvor, nie wieder mehr als 25 Mio. Kontrakte pro Monat gehandelt worden. Für die Zeit seit Anfang 2012 liegt der Durchschnittswert bei gerade einmal knapp 15 Mio. Stück.

Wesentliche Verursacher der Misere sind zu großen Teilen die Notenbanken rund um den Globus. Mit einer forcierten Stärkung ihrer Devisenreserven, aber auch mit  „Quantitative Easing“ und „Credit Easing“ in großem Stil haben sie viele private Investoren aus den Märkten gedrängt: „Crowding-out“ einer sehr speziellen Art.

Vor diesem Hintergrund verwundert eine Meldung aus dem vergangenen Monat nicht. Demnach ist der Börsenhandel in japanischen Staatsanleihen an gleich mehreren Handelstagen jeweils für Stunden eingestellt worden. Die Liquidität im Markt hat offensichtlich keine andere Entscheidung möglich gemacht. Ein Sprecher des japanischen Finanzministeriums hat in diesem Zusammenhang aus einer Umfrage zitiert. Demnach sind viele Investoren der Meinung, dass primär die anhaltenden Staatsanleihekäufe der japanischen Notenbank für das gegenwärtig stark erniedrigte Handelsgeschehen am JGB-Markt verantwortlich seien.

Derweil meldet die Presse, dass Vertreter der Fed den Gedanken hegen, alsbald Gebühren in nennenswerter Größenordnung zu erheben, sollten Investoren darangehen, ihre Bestände an US-Dollar-Anleihen spürbar zu reduzieren. Der Liquidität an den globalen Kapitalmärkten kann ein solches Ansinnen nur abträglich sein.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bielmeier

Über Stefan Bielmeier

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ BANK AG. Seit Mai 2010 ist Stefan Bielmeier Vorstandsmitglied der DVFA, seit Mai 2012 Vorstandsvorsitzender.

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