Rechnungslegung ist ein Sonderinteresse. Aber stimmt das auch?

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

in den heutigen DVFA-Insights im Messeturm bei ThomsonReuters referierte Guido Fladt, Partner und Leiter der Grundsatzabteilung von PwC, über die neuesten Änderungen bei den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS sowie den Konzernlagebericht unter DRS20 nach dem DRSC.

Wenn man auf einer Party erzählt, man beschäftige sich mit Accounting oder Rechnungslegungsstandards, dann steht man vermutlich ziemlich schnell alleine mit seinem Glas in der Hand da. Rechnungslegung gilt als Sonderinteresse. Danach kommt bekanntlicherweise Autismus. Aber stimmt das wirklich?

Günther Ortmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Bundeswehruniversität Hamburg, definiert Accounting anders als das landläufig der Fall ist. Accounting steht für Erklärung, so, wie man im Englischen auch sagt „something accounts for something else“. Accounting Rules sind demnach verdichtete Erklärungen. Über den Prozess der Standardsetzung, einer Übung in Sachen Festlegung von Konventionen, werden Erklärungen zu wirtschaftlichen Sachverhalten gesellschaftlich festgelegt. Darin liegt dann auch die politische Dimension von Accounting Standards, nämlich als einer Übereinkunft von Preparern von Finanzberichten mit Usern jener Berichte, d.h. Investoren und Finanzanalysten, darüber, wie wirtschaftliche und finanzielle Sachverhalte erklärt werden. Soweit die Theorie.

In der Praxis der transgovernmentalen und -nationalen Accounting-Standardsetzung dominiert die Accounting Profession, d.h. Wirtschaftsprüfer, Unternehmensbewerter sowie Vertreter von Preparern, d.h. Unternehmen. Investoren und Finanzanalysten sind in aller Regel kaum an dem Prozess der Standardisierung beteiligt. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie nicht zur Teilnahme eingeladen sind, sondern dass nur sehr wenige Investment Professionals dazu bereit sind, sich an der Gremienarbeit zu beteiligen.

Bitte verstehen Sie diesen Blogeintrag als einen Aufruf. An Sie! Als einen Aufruf zu mehr Engagement für die Standardisierung von Rechnungslegung. Die Stimme von Investment Professionals der Buy- und Sell-side, der Aktien-, Fixed Income- und Kredit-Seite kann noch viel lauter erklingen, als dies heute der Fall ist. Soll sich niemand über schlechte Rechnungslegungsstandards beschweren. Die Chance mitzugestalten besteht, hat immer schon bestanden. Wenn Sie Interessen haben, dann treten Sie dem Corporate Reporting Users Forum (CRUF) bei, einem globalen Netzwerk von Investment Professionals mit Interesse an besserem Accounting, dessen deutsches Chapter gemeinsam von PwC und DVFA moderiert wird.

Eine der wichtigsten akademischen Zeitschriften im Bereich Accounting heißt übrigens „Accounting, Organizations and Society“. Genau darum geht es.

In diesem Sinne: kommen Sie gut ins Wochenende und bleiben Sie uns gewogen,

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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