Honi soit qui mal y pense

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

kennen Sie den Witz?

Der Himmel ist dort, wo die Briten die Polizisten sind, die Franzosen die Köche, die Deutschen die Mechaniker, die Italiener die Liebhaber und organisiert wird alles von den Schweizern.

Die Hölle ist dort, wo die Briten die Köche sind, die Franzosen die Mechaniker, die Schweizer die Liebhaber, die Deutschen die Polizisten und organisiert wird alles von den Italienern.

Daran musste ich gestern denken, als ich den Bericht über Jean Claude Junckers Auswahl an Kommissaren in den Nachrichten sah. Die größte Volkswirtschaft Europas, der Motor des Wirtschaftswachstums in der Eurozone bekommt die digitale Wirtschaft zugesprochen. Und der biedere, brave Fleißarbeiter Oettinger stellt sich vor die Kameras und bekundet, dass er sich zutraue, sich schnell in das Thema einzuarbeiten. Na, bestens. Warum eigentlich Deutschland und digitale Zukunft? Ich habe keine Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zur Hand, aber meine mich erinnern zu können, dass die Bundesrepublik in puncto digitaler Durchdringung, Verfügbarkeit des Netzes in strukturschwachen Regionen etc. deutlich hinter anderen Ländern zurück hängt, oder liege ich da falsch?

Skandalös, ja geradezu unverschämt finde ich allerdings, dass man Herrn Moscovici, einem überführten Staatsverschuldungstycoon, und Gegner der Austeritätspolitik, die Wirtschaftspolitik überträgt. Damit ist dann auch der Weg geebnet, dass zukünftig anstelle der Maastrichtkriterien und der Reduzierung von Staatsschulden in der EU Wachstum durch weitere Schulden erkauft werden. Unsere Kinder werden die Zeche bezahlen müssen. Chuzpe nennt man es, glaube ich, wenn die Rücksichtslosigkeit eigenen Verhaltens nicht mehr interessiert, was die Umwelt davon hält.

Dass UK nun auch mit Jonathan Hill die Brechstange des britischen Finanzplatzes in Brüssel am Tisch sitzen hat, verwundert dann auch nicht weiter. Wenn es in Zukunft in Sachen europäische Finanzmärkte zum Schwur kommt, dann sitzt ein Bremser, der die britische Industrie-Monokultur bis zum Umfallen verteidigen wird, am Drücker. Reformen? Single markets? Only if it serves the UK.

Was mich gewundert hat, ist dass es kaum Kommentare geschweige denn Proteste aus Berlin gab. Gilt vermutlich noch die Regel „hast du einen Opa, dann schick‘ ihn nach Europa“. Aber vermutlich bin ich nur naiv, dass ich mir vorstelle, es ginge bei den Besetzungen von Kommissariaten der EU um etwas anderes, als der Sicherung nationalstaatlicher Eigeninteressen. Herr Juncker wird auch nicht vergessen haben, dass Luxemburg einen für die eigene Volkswirtschaft immens wichtigen (und wie manche meinen, brutal unterregulierten) Finanzplatz hat. Ein Schurke sei, wer Böses dabei denkt.

Finden Sie es unschicklich, so zu denken? Oder die „vested interests“ der Mitgliedsstaaten der EU beim Namen zu nennen? Für mich persönlich liegt in dem Verhalten Junckers eine der Quellen für die EU-Verdrossenheit vieler Bürger, und noch dazu das Material, von dem sich die rechten Fliehkräfte in Europa gerne bedienen, um Stimmung zu machen.

In diesem Sinne: kommen Sie gut ins Wochenende und bleiben Sie uns gewogen,

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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