Banken im Eu- und Disstress

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

nun sind wir endlich im Bilde: Seit Anfang dieser Woche liegen die Ergebnisse des Stresstests offen auf dem Tisch. 25 der insgesamt 130 untersuchten Banken sind bekanntlich durchgefallen, wobei ein Teil der Gescheiterten bereits den Zeitraum zwischen Stichtag 31.12.2013 und Bekanntgabe der Ergebnisse emsig genutzt hat, um die Kernkapitalqoute zu verbessern. Sogar die allseits bekannte HSH Nordbank hat den Test bestanden, ebenso die Münchener Hypothekenbank. Ich finde das insgesamt sehr erstaunlich.

Das ,harte‘ Stressszenario mit Konjunktureinbruch über mehrere Jahre, steigenden Zinsen und Bonitätsabfall der Staaten sah den Nachweis einer bescheidenen Kapitalbasis von 5,5 Prozent vor. Das ist nicht viel, wenn ich mir vor Augen führe, dass selbst diese kleine Hürde jedes fünfte systemrelevante Bankhaus nicht bestanden hat. Sicher, die deutschen Vertreter sind alle durchgekommen, aber seien wir ehrlich, es gibt knapp auf Kante genähte Häuser und die gesamteuropäische Finanz-Verquickung und die damit verbundenen Abhängigkeiten machen die Sache auch nicht besser.

Schweifen wir kurz in die Psychologie ab: Der zu Anfang des letzten Jahrhunderts geborene österreichische Mediziner Hans Selye, Vater der Stresstheorie, unterschied zwischen Eu- und Disstress. Das griechische ,eu‘ heißt soviel wie wohl, gut, richtig, leicht, ‚dis‘ soviel wie schlecht, krankhaft. Das ist begrifflich schon etwas differenzierter als einfach nur ,Stress‘.

Einen klaren Fall von negativem Stress erleben sicher jene Kapitalaufstockungs-, Verkaufs- oder Restrukturierungskandidaten, die nicht bestanden haben, denn woher sollen die Gelder für die italienischen, zypriotischen, griechischen Banken, die die rote Laterne  bekommen haben, eigentlich kommen?

Und die deutschen Institute erleben auch nur bedingt Eustress. Die Kapitalbasis ist nach wie vor viel zu gering, um in einer ernsten Krise zu bestehen. Dabei ist nicht wichtig, ob die von Admati & Hellwig („Des Bankers neue Kleider“)  geforderte EK-Quote von 30% realistisch oder gar erreichbar ist. Ernste Krise könnte Deflationsszenario heißen oder der Ausfall von faulen Staatsanleihen, Möglichkeiten, die gar nicht simuliert wurden. Die Institute müssen also die Herausforderung annehmen, ernstzunehmende Aufgaben für die Zukunft zu meistern.

In Summe: Die Kriterien waren zu lasch, das Gesamtergebnis ist eher beunruhigend. Von einem tatsächlich stabilen Bankensystem sind wir noch ein gutes Stück entfernt und daran muss gearbeitet werden, bevor die Regulatoren wieder alles regeln aber die Steuerzahler eintreten. Einen Aspekt dürfen wir nicht vergessen: wenn es zu einer nächsten Verschärfung der Krise kommt oder kommen sollte, dann hat die Politik keine Handhabe mehr und keinen Rückhalt bei den Wählern, erneut in die Bankenrettung einzusteigen.

Kommen Sie gut ins Wochenende und bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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