No free Lunch

Etwas bösartig könnte man sagen, die Finanzmarktweisheit „There’s no free lunch“ hätte man besser mal übersetzt, damit sie auch deutsche Kämmerer verstehen. Denn einige von Ihnen haben zur Finanzierung ihrer Haushalte Kredite in Schweizer Franken aufgenommen. Um Zinsen zu sparen. Und die Schweizer Nationalbank hat ja immer wieder bekräftigt, den Wechselkurs bei 1,20 zu halten. Also kein Risiko. But there is no free lunch, wie wir alle am 15. Januar erleben durften. Für zahlreiche Städte und Gemeinden – viele davon in Nordrhein-Westfalen, aber das soll uns hier nicht weiter kümmern – ist die Schuldenbelastung auf einen Schlag deutlich angestiegen.

Auch an anderer Stelle war im Kontext der ersten Broker-Insolvenzen zu lesen, dass Wetten auf den Schweizer Franken sehr beliebt waren. Die Geschäfte galten als „sichere Wette“, da der Wechselkurs ja quasi fixiert war. Weil die Gewinnspanne hierbei sehr gering ist, wurden die Transaktionen teilweise mit dem Faktor 400 gehebelt. Vermeintlich ohne Risiko, aber am Ende mit erheblichen Verlusten.

Nachdem die Schweizer Nationalbank (SNB) den Wechselkurs des Franken wieder freigegeben hatte, war der Aufschrei groß. Denn von Zentralbanken war man forward guidance gewohnt, also das behutsame Vorbereiten der Märkte auf anstehende Änderungen. Aber eine Garantie für ein solches Verhalten gibt es eben nicht. Warum die SNB auf den Überraschungseffekt gesetzt hat, mag unterschiedliche Gründe haben. Es zeigt aber ganz deutlich, dass es nun mal keine sicheren Gewinne am Kapitalmarkt gibt.

Dass an den Finanzmärkten Wetten eingegangen werden, muss per se nichts Schlechtes sein. Aber das Mandat für solche Wetten sollte eindeutig sein und auch die Risiken sollten immer klar benannt werden. Auch macht es einen erheblichen Unterschied, ob mit eigenem oder fremden Geld oder gar Steuermitteln hantiert wird.

Bleibt zum Schluss die Frage, was noch alles passieren muss, bis sich die Einsicht durchsetzt, dass es an den Märkten nichts umsonst gibt. Eine einfache Übersetzung solcher Weisheiten wird kaum ausreichen.

Disclaimer: Die in der Reihe Positionen im DVFA-Blog vertretenen Meinungen geben nicht unbedingt die Position der DVFA wieder.

Über Ulf Mayer

Ulf Mayer, CIIA, CEFA, ist Leiter Finanzakademie der DVFA GmbH.

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