Sternstunden der Unternehmenskommunikation 2014

Liebe Investment-Professionals,

jahreszeitengemäß wollen wir die Sternstunden der letztjährigen Unternehmenskommunikation in Erinnerung rufen und uns eine Auswahl der bemerkenswertesten Ad-hoc-Meldungen des Jahres 2015 zu Gemüte führen.

Noch frisch im Gedächtnis ist die Meldung der Penell GmbH, einem Anbieter von Systemlösungen für die Elektroversorgung, wonach eine Überprüfung der Lagerbestände ergeben habe, dass die im Wertpapierprospekt der Unternehmensanleihe zugesagten Kupferbestände nicht ganz dem angegebenen Lagerwert von rund 9,0 Mio. Euro entsprächen. Angaben gemäß lag der Wert der Lagerbestände trotz zwischenzeitlich gestiegener Kupferpreise Anfang Dezember nur bei 5,5 Mio. Euro. In einer weiteren Meldung vom 17.12.2014 wurde dieser Wert nochmals auf rund 2,5 Mio. Euro korrigiert. Damit fehlen rund zwei Drittel des Lagerbestands. Wer meint, dass einem Buchhalter eine derartige Abweichung in der Hektik schon mal unterlaufen könne, sei entgegnet, dass zur Erklärung dieser Diskrepanz mehrere Hundert Tonnen Kupfer verschwunden sein müssen. Eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge wird versprochen.

Vorratsschwund dürfte bei manchen Anlegern noch andere schlimme Erinnerungen wecken. Im Mai hatte die MIFA AG ihre Anleger zunächst mit der Ad-hoc-Meldung schockiert, dass im Verlauf des Jahres 2013 Vorratsvermögen buchhalterisch falsch erfasst worden war. Da keine unterjährige Inventur durchführt werde, habe das Unternehmen die Fehlbuchungen in Millionenhöhe erst im Zuge der Jahresabschlusserstellung festgestellt. Besonders bemerkenswert war, dass als Ursache der Fehlbuchungen die „Einführung eines neuen Buchungssystems“ angegeben wurde. Wenig später musste die Gesellschaft Insolvenz anmelden.

Buchhalterische Sorgen plagten auch die Injex Pharma AG, als der Wirtschaftsprüfer im Rahmen einer Nachtragsprüfung für das Geschäftsjahr 2011 Änderungen des Jahresabschlusses vornehmen musste. Um nicht weniger als 72% wurden die Finanzanlagen nach unten korrigiert – was einen Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals der Injex Pharma AG zur Folge hatte. Ebenfalls verrechnet hatte man sich offenbar auch bei der Wertermittlung zweier Beteiligungen, die die Gesellschaft in den Jahren 2011 und 2012 übernommen hatte. Einem neu erstellten Gutachten zufolge lag der Wert der eingebrachten Geschäftsanteile nur bei 1,5 Mio. Euro – erworben wurden die Anteile über zwei Sachkapitalerhöhungen noch zu einem Wert von 6,4 Mio. Euro.

Dass nicht nur Sach-, sondern auch Barkapitalerhöhungen nicht ohne Tücken sein können, musste im Oktober die Alphaform AG erfahren. Da wurde bekannt, dass ein Großaktionär versehentlich vergessen hatte, seine Bezugsrechte auszuüben. Dass dies auch der Emittentin zunächst verborgen geblieben war, zeigte eine weitere Ad-hoc-Meldung, die die Gesellschaft nur wenige Tage zuvor veröffentlicht hatte und nach der die Kapitalerhöhung etwas voreilig als erfolgreich abgeschlossen eingestuft worden war. Nur wenige Tage später musste die Gesellschaft übrigens aufgrund von „unerwartet hohen Anstrengungen bei der Beseitigung von Prozess- und Strukturmängeln“ eine Gewinnwarnung abgeben.

Während bei Alphaform Kapital gar nicht erst verbucht wurde, war es bei der Ultrasonic AG plötzlich verschwunden. Am 16. September wurden die Aktionäre vom CFO darüber informiert, dass CEO und COO nicht mehr erreichbar wären und ihre „Wohnstätten offenbar verlassen“ hätten. Mit ihnen verschwunden sei auch der ganz überwiegende Teil der liquiden Mittel. Zur Beruhigung der Anleger wurde immerhin erklärt, dass wenigstens die deutsche Holding noch über einen größeren sechsstelligen Euro-Betrag verfügen würde und so ihren Zahlungsverpflichtungen in gewohnter Weise nachkommen könne. Kurze Zeit später meldete sich der inzwischen wieder aufgetauchte CEO telefonisch bei der Gesellschaft und erklärte, die fehlenden Finanzmittel erstatten zu wollen. Eine tiefergehende Bewertung des Anrufs war Aufsichtsrat und Vorstand zwar in der Kürze der Zeit nicht möglich, gleichwohl schien der Gesellschaft „in der aktuellen Situation eine Weitergabe dieser Information geboten, da für die Aktionäre jede neue Information von Bedeutung sein kann.“

Probleme mit der Präsenz des Vorstands gab es auch bei einem anderen chinesischen Unternehmen, der Youbisheng Green Paper AG. Hier wurde im Juli des vergangenen Jahres „eine ungeklärte Abwesenheit des Vorstandsvorsitzenden“ festgestellt. Im Gegenzug wurde es dem Finanzvorstand der Gesellschaft „von den operativen Mitarbeitern des Unternehmens nicht gestattet, das Unternehmensgelände in China zu betreten“. Dass dieser daraufhin seinen Rücktritt einreichte, dürfte nicht ursächlich für die kurz darauf eingereichte Insolvenz der deutschen Muttergesellschaft gewesen sein.

Ihnen ein gutes neues Jahr 2015.

Disclaimer: Die in der Reihe Positionen im DVFA-Blog vertretenen Meinungen geben nicht unbedingt die Position der DVFA wieder.

Über Peter Thilo Hasler

Peter Thilo Hasler, CEFA ist Gründer und Analyst der Sphene Capital GmbH. Er ist Mitglied des Vorstands des DVFA e.V. und Dozent für Unternehmensbewertung an der Münchener FOM.

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