Macht nicht kaputt, was euch nicht kaputt macht

Ralf Frank

Liebe Mitglieder, liebe Freunde der DVFA,

was für eine merkwürdige Woche! Der Mittwoch wird vermutlich bei den meisten Frankfurtern als schlimmer Tag in Erinnerung bleiben. Ich habe gemischte Gefühle, weil ich zum einen die Politik der EZB ablehne, und deshalb jeden verstehen kann, der dagegen etwas unternehmen möchte. Zum anderen war ich entsetzt über die Gewalt, die gestern bereits früh morgens über Frankfurt hereingebrochen ist. Bereits morgens um kurz nach sieben schickte mir mein Sohn Fotos von den brennenden Streifenwagen an der Polizeiwache/Konstablerwache. Das Video, das Polizisten aus der Wache heraus filmten, spricht Bände. Krawall und Gewalt von denen, die vermutlich keine andere Möglichkeit sehen, ihren Hass auf das „Establishment“ loszuwerden. Die, um die es ging, die durch die Geldpolitik der EZB vermeintlich Betrogenen, das Prekariat, demonstrierten doch gar nicht mit. Ich unterstelle, dass bei vielen, die gestern dabei waren, mit Sicherheit bei vielen Autonomen zu einem erheblichen Teil Sozialromantik im Spiel war, so wie Heiner Lauterbach in Doris Dörries Film Männer sagt: „… ihr übt doch den gebückten Gang noch vorm Spiegel“. In einer der besten Republiken auf deutschem Boden aufgewachsen, ohne Armut, ohne Krieg, in einem seit Jahren prosperierenden Wirtschaftssystem, einem guten Bildungssystem, sicher, warm und kuschelig. Projektion nennen es Psychologen, wenn Aggression und Selbsthass auf andere übertragen werden. Hier ein sarkastischer Beitrag zur Genese der autonomen Szene, bemerkenswert und unterhaltsam: https://www.youtube.com/watch?v=a-7loL0GaYI.

Dann der Fake von Jan Böhmermann, der dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis einen Stinkefinger in ein altes Video montierte. Oder dies einfach nur behauptete. Und nun weiß keiner mehr, was wahr ist, wer lügt, und wer sich blamiert hat. Klar ist nur, dass – Fake hin oder her – kein Mensch solch grottenschlechte Sendungen wie Jauch braucht. Aufklärender Gehalt ist nicht mal Null, sondern schon negativ. Die Risiken liegen ja nicht nur darin, dass unser Finanzminister mit seinem griechischen Counterpart verhandeln können muss, ganz egal, ob sich Herr Varoufakis gerne als Outlaw, Rocker oder der griechische Lindenberg gibt. Man sollte nicht unterschätzen, dass es bei dem ganzen Spiel „Deutschland schmeißt Griechenland aus dem Euro“ auch um die Reputation unserer Nation geht. Mir erzählte gerade heute ein Senior Investor, der unlängst im Nahen Osten unterwegs war, dass Deutschland in der Rolle des Goliath, dem sich David (Griechenland) stellt, kaum Sympathien entgegen schlagen. Man mag das nicht wahr haben wollen, und Markus Söder mag noch so gerne an den Griechen ein Exempel statuieren wollen, aber unsere eigene Geschichte sollte uns vielleicht doch nahe legen, diplomatischer und umsichtiger mit den Griechen umzugehen.

Dann noch etwas Positives in eigener Sache: am kommenden Dienstag werden knapp 150 Investment Professionals am 1. DVFA FinTech-Forum teilnehmen – großartig! Es geht um die Frage, welche Position FinTechs zukünftig einnehmen werden, Evolutionäre, die den Banken zuarbeiten, oder Revolutionäre, die die Banken herausfordern. Vieles erinnert die Älteren unter uns an den Neuen Markt, aber das ist nur der erste Anschein. Geschäftsmodelle von Banken sind unter Druck, und viele FinTechs haben das Zeug dazu, innovative Services erfolgreich in den Markt zu bringen. Wenn Sie mehr wissen wollen, dann melden Sie sich schnell zum 1. FinTech-Forum der DVFA an. Es sind nicht mehr viele Plätze vorhanden.

In diesem Sinne: kommen Sie gut ins und durch das Wochenende (leider wieder mit einem Temperatursturz, wie es scheint) und bleiben Sie uns gewogen.

Ihr

Ralf Frank

 

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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