Frank am Freitag heute am Montag – brauche ich etwa eine Apple Watch?

Ralf Frank

Ab vergangener Woche wird die Apple Watch ausgeliefert. Merkwürdig, warum das Ding nicht iWatch heißt, aber das hat sich Apple vielleicht für die Smart-Ferngläser vorbehalten. Spaß beiseite.

Im Handelsblatt von Freitag war eine spannende Graphik, auf der die Entwicklung des Aktienkurses von Apple gegenüber der Einführung neuer Produkte abgetragen ist. Die Aktie kostete ungefähr 4 $ bei der Einführung des iPod im Oktober 2001. Der Kurs befand sich bei der Einführung des iPhone in 2007 bei ca. 20 $, steigerte sich innerhalb von drei Jahren auf 40 $ als das iPad in den Markt kam, und liegt derzeit bei über 120 $. Eine Steigerung von schlappen 3000 % über einen Zeitraum von 12 Jahren. Die Frage, die momentan alle Kommentatoren bewegt ist, ob die Apple Watch einen weiteren Schub der Aktie, eine Steigerung des Unternehmenswertes mit sich bringt.

Die ersten Testversuche der Watch sind nicht ganz so positiv ausgefallen. Da war die Rede von einer inakzeptablen Akkulaufzeit, z.T. unter einem Tag. Andere Tester fühlten sich genervt davon, dass bei eingehenden Mails oder Nachrichten die Watch am Handgelenk rappelte. Da man das Mobile ja meistens in nächster Nähe hat, stellt sich ohnehin die Frage, ob man auf dem „Mäusekino“ am Handgelenk Nachrichten lesen will. Ein Freund aus Hamburg berichtete, dass sich in den Apple Stores kaum jemand für die Watches interessierte. Das wundert mich ein bisschen in einer Hinsicht: viele von uns sind doch schon dabei, ihr Leben mit digitalen Helfershelfern zu vermessen. Ist man als Läufer oder jemand, der versucht, die obligaten 10.000 Schritte zur Erreichung des Fitness-Benchmarks zu knacken, nicht gut damit bedient ist, die Jawbones und Fitbits in die Schublade zu verbannen, da die Apple Watch das Messen locker mit erledigt? Nur in einem Punkt sind sich selbst die technikverliebtesten Afficinados mit Otto Analoguhr einig, nämlich dass Telefonieren mit der Armbanduhr irgendwie affig aussieht. (In einer Art Selbstversuch habe ich im vergangenen Jahr einmal die Samsung Gear-Uhr ausprobiert. Eine Art Apple Watch, nur weniger Killefit dran. Hochnotpeinlich, als ich unterwegs und zu meinem Entsetzen einen Anruf in der Linie U4 erhielt. Habe das Ding dann nicht richtig abschalten können, und die Verbindung Mobile Uhr hielt (was sie sonst gerne nicht tat). Die Blicke der Mitfahrenden, als auf einmal eine quäkige Stimme aus der Uhr zu hören war … was ein Poser! Scham Scham Scham!)

Aber machen wir uns nichts vor: die Apple Watch wird auch ihren Weg in den Markt finden. (Ob in Stückzahlen, die der Apple-Aktie noch weitere Flügel verpassen, ist aus meiner Sicht fraglich.) Die Lifestyle-Güter von Apple haben bislang noch immer Gepflogenheiten geändert. Beobachten Sie einmal morgens in der U-Bahn oder im Zug, dass selbst ältere Menschen in ihre Smartphones eintippen und darauf starren, als würde ihnen die Zukunft geweissagt. Bald schon werden wir alle im öffentlichen Raum sehen, dass Menschen ihre Pfötchen heben wie die Schoßhunde und munter in ihre Uhren talken (wie man heute unter den Hipstern sagt), und so nebenbei beim Rewe im vorbeigehen mit ihrer Uhr ihre Convenience Food bezahlen, ohne dabei die neuesten Nachrichten von Hans und Gabi zu verpassen („wo bist du gerade?“).

In diesem Sinne: bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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