Knigge für Banker …?

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Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

in der vergangenen Woche war zu lesen, dass sich die Finanzminister der G7-Staaten und ihre Notenbankchefs bei ihrem Treffen in Dresden über einen globalen Verhaltenskodex für die Finanzdienstleistungsindustrie verständigen wollten. Dem voraus gegangen ist ein Papier der  Bank of England, das im Oktober 2014 veröffentlicht wurde, und in dem die Entwicklung eines solchen Kodex als der richtige Weg zu mehr Integrität und Ethik in den Finanzmärkten propagiert wurde.

Ein „Knigge für Banker“ wurde dieses Vorhaben in der Presse genannt. Ich bin da skeptisch. Knigge steht für Benimmregeln. Es geht aber nicht darum, dass ein Finanzanalyst dem Fondsmanager höflich die Tür aufhält, oder eine Bankberaterin während des Beratungsgesprächs beim Gähnen die Hand vor dem Mund hält, oder ein Originator beim Bookbuilding mit Investoren keine Fahne hat. Das war mit Sicherheit nicht das, was die G7-Vertreter im Sinne hatten. Knigge ruft eine völlig falsche Assoziation hervor. Wenn schon, dann hätte eher Katechismus gepasst, oder Vademecum.

Denn es geht hier nicht um Höflichkeit, sondern um professionelles Wohlverhalten. Ob ein globaler Kodex dabei zielführend sein kann? Dann müsste er benennen, welches Verhalten akzeptabel, welches inakzeptabel ist. Ein Moralkatalog. Der Gedanke daran ist befremdlich. Wenngleich: wir wissen aus verhaltensökonomischen Experimenten von Dan Arielly, dass sich Menschen tugendhafter verhalten, wenn sie vor einer Aufgabenstellung mit ethischem Belang, in der sie z.B. schummeln konnten, ohne dabei aufzufliegen, redlicher verhalten, wenn sie vorher die 10 Gebote lesen mussten (noch redlicher, wenn sie die 10 Gebote laut aufsagen mussten). Wenn die Beschreibung tugendhaften Verhaltens also sozusagen um mich herum ständig präsent ist, dann ist das schon einmal hilfreich. Aber!

WIR müssen die Debatte darüber führen, welches Verhalten akzeptabel ist. Sonst droht der nächste regulatorische Overkill. Dazu ist es aber notwendig, zu denken, zu debattieren, zu reflektieren, sich mit ethischen Fragestellungen auseinander zu setzen. Als Antwort auf die Finanzkrise kam über die gestiegenen rechtlichen und regulatorischen Anforderungen auch die Compliance in Größenordnung in die Häuser. Compliance, also die Konformität mit externen und internen Regeln, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite heißt Integrität. Und die speist sich aus einer intrinsischen Motivation. Heißt auf gut Deutsch: die Menschen tun die richtigen Dinge, weil sie davon überzeugt sind, weil sie darüber nachgedacht haben, und nicht, weil sie Angst vor der Bedrohung haben. Intrinsische Motivation bedarf der Reflexion, denn es kommt nicht so sehr darauf an, was andere über einen Sachverhalt denken, sondern was ich darüber denke. Wohlgemerkt: innerhalb eines Rahmens, den mir die Compliance, die Straßenverkehrsordnung, das Strafgesetzbuch, oder das KWG aufzeigt.

Hier zum Abschluss ein einfaches Beispiel, das ich mir bei einem langjährigen Kollegen und hoch-intelligenten Assetmanagement-Manager ausgeliehen habe.

Interessenkonflikte existieren, sie gehen niemals weg, es kommt darauf an, dass man sie managt. Dies vorweg gesagt: stellen Sie sich vor, Sie werden als angestellter Manager von einem Dienstleister, von dem Sie wissen, dass er gerne noch mehr Geschäft mit Ihnen machen möchte, in ein ultra-teures Restaurant eingeladen. Sollen Sie die Einladung annehmen? Oder besser nicht?  In vielen Unternehmen greift dort eine Policy, die Ihnen einen Höchstbetrag nennt, bis zu dem Sie annehmen dürfen. Also, Antwort ist klar, oder?

Wie würde man aus einer Perspektive der Integrität damit umgehen? Individuelle Integrität ist ein höchst schützenswertes Gut. Sie könnten sich auch schon für € 20,- um Ihre Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit bringen lassen. Ja, zu Ende gedacht, könnten Sie sich selber kompromittieren und Ihre Integrität beschädigen völlig unabhängig davon, ob Ihre Compliance-Abteilung nun 50, 100, oder 500 € für angemessen hält. Aristotelisch gedacht (Geheimtipp: Nikomachische Ethik!) und damit nach der Mitte suchend, könnten Sie auch drei Fragen stellen: 1. Würde ich mir selber ein Essen in diesem Luxus-Restaurant leisten? 2. Würde ich mich schämen, wenn mich Freunde oder Kollegen in diesem Restauran sehen würden? 3. Würde ich mich auch zukünftig trauen, dem Dienstleister noch den Laufpass zu geben, oder würde ich mich gefällig zeigen müssen? Eine dieser Fragen mit Nein beantwortet, und Sie wissen, was Sie zu tun haben.

In diesem Sinne: kommen Sie gut ins Wochenende und bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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