Big Data – hinter der Worthülse.

Ralf Frank

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

geht es Ihnen auch so? Seit meiner Arbeit mit Unternehmen aus der New Media zu Zeiten des Neuen Marktes trage ich einen Zynismus in mir, der wie ein Grauschleier nicht mehr aus der Wäsche gewaschen werden kann. Männer 50+ kommen in meiner Wahrnehmung fast unbemerkt in eine Lebensphase, in der sie immer die gleichen Witze, die gleichen Geschichten, die gleichen Beispiele usw. erzählen. Einer meiner Kalauer: im Neuen Markt überwogen zum Schluss die Unternehmen, die mit vergleichsweise banalen und durchschaubaren Geschäftsmodellen Geld, viel Geld verdienen wollten, z.B. „die alte Oma kauft demnächst im Internet Eier, Butter, Milch“. Ich verspreche, dass ich dieses Beispiel nicht mehr bringen werde.

Dennoch: es bleibt aristokratische Kühle gegenüber vermeintlich neuen Geschäftsmodellen, Technologien, Methoden. Die müssen erst einmal beweisen, dass sie nicht die nächste Generation Killefitt darstellen. Zeug, das keiner braucht, oder Geschäftsmodelle, denen der Blödsinn quasi schon auf die Stirn geschrieben ist. Das könnte man über Pokémon auch sagen, aber da scheint es ja genügend „butterfly collectors“ zu geben, die in ihrer Freizeit Monster in der „augmented reality“ jagen. Vermutlich bin ich einfach nur zu alt. Viel zu alt dafür. Geocaching ging noch, aber Monster jagen? „Kommst du mit, ein paar Monster jagen, und danach noch einen Schoppen petzen?“- „Nee, lieber nicht, muss heute Abend noch im Netz Eier, Butter und Milch bestellen.“

Ist Big Data auch wieder solch eine modischer Firlefanz, ein technologisches Spiegelkabinett, oder Sprache gewordene heiße Luft? Klare Antwort: mitnichten!

Der Nullpunkt von Big Data sind die in vielen Organisationen, Behörden, Ämtern, Webseiten, Datenbanken vor sich hin gespeicherten, disparaten Daten. Sie sind in aller Regel nicht per se unstrukturiert, sind es aber, wenn man versucht, die Datenbestände miteinander zu verbinden. Nehmen wir eine Versicherung, meinetwegen eine private Krankenversicherung. Sie kennt meine biographischen Daten, weiß, wo ich wohne, kennt meine Lebensumstände sowie meine Frau, meine Kinder, meine Zipperlein, weiß von meinem Bluthochdruck usw. Stellen Sie sich vor, diese Versicherung hätte, weil ich es gestatte, und vielleicht sogar ein Rabatt für mich dabei herausspringt, die Daten meiner Laufuhr. Dann wüsste sie, dass ich heute Morgen am Main 11 km gelaufen bin, z.T. an einer Hauptstraße entlang (Luftverschmutzung!), wüsste meine durchschnittliche Herzfrequenz (etwas zu hoch), wüsste aber auch, dass ich 3x pro Woche laufe, und, in Verbindung mit den in meinem Lebensalter üblichen Vorsorgeuntersuchungen, dass das Herz gesund ist. Wenn dann noch mein Blutdruckmesser auch im Netz wäre, dann wüsste meine Krankenversicherung, dass ich nach dem Laufen den Blutdruck eines jungen Mannes habe.

Das mag für den Einen die reinste schöne neue Welt sein, für den Anderen wünschenswerte Neuzeit. Meine Versicherung bekommt von mir KEINE Fitness-Daten, um es gleich mal gesagt zu haben. Wenn sie aber die Daten hätte, was würde sie im Hier und Jetzt damit anfangen? Nichts, rein gar nichts. Denn hier setzt Big Data ein, und es erfordert ganz andere Skills und Fertigkeiten als die, mit viel Respekt und Verlaub, die man heute in der IT einer Krankenversicherung vorfindet. Dort sind New Media der Teufel, User muss man in den Rechten beschränken, weil sie soviel dummes Zeug anstellen, und die wirkliche IT, die echte IT, Mensch, das sind Großrechner, die Legacy-Systeme, das war noch was.

Abseits davon: wenn sie schöne Beispiele für Big Data Anwendungen anschauen wollen, dann besuchen Sie doch mal diese Seite auf Spiegel Online. Man kann sich viele schöne Anwendungen ausdenken und vorstellen, die dort ansetzen, wo Verhaltensforscher wie Gerd Gigerenzer nicht müde werden, uns vorzuhalten, dass wir in den aller wenigsten Fällen Statistik gut können, weil wir visuell orientiert sind.

Im Finanzbereich, der ja schon von sich aus ein rechtes Daten-Meer darstellt, wird die Zukunft darüber entschieden, um es etwas hochtrabend auszudrücken, wer aus bestehenden, disparaten und in Summe multi-strukturierten Daten einen Mehrwert ziehen kann. Deshalb, genau deshalb engagiert sich die DVFA in diesem Feld, mit

Mehr dazu auf unserer Homepage.

Kommen Sie gut durch die Woche und sammeln Sie schön Daten.

Bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

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