Can you be a duck, Chicken Little?

Ralf Frank

Liebe Mitglieder und Freunde der DVFA,

vor zwei Tagen las ich in der Financial Times, dass in London einige globale Investmentbanken ihre Bewerber zukünftig einem verhaltensökonomischen Einstellungstest („behavioral test“) unterziehen werden. Die Gründe seien, dass es zu viel Reibungsverluste mit sich bringe, Mitarbeiter einzustellen, die nicht zur Kultur und zu „den Anderen“ im Unternehmen passen würden. Die Begründung ist sinnvoll.

Und auch Einstellungstests sind ja nichts Neues. Psychometrische Tests wie der Myers-Briggs- oder der Herman-Dominanz-Test werden schon seit Jahren, wenngleich eher in der Führungskräfte-Entwicklung, eingesetzt. (Ich hebe jetzt mal nicht auf die Absurditäten ab, die teilweise in Assessment- oder Development-Centern getestet werden, wenn gestandene Menschen mit anderen gemeinsam mit viel Tesa und Zeitungspapier ein selbsttragendes Gebilde bauen müssen, oder ähnliches.)

Warum ist mir die Mitteilung in der FT aufgefallen?

Wenn man solch einen Behavioral-Test baut oder bauen lässt, dann muss man als Benchmark eine Art Rollenvorbild haben, wie denn der Mitarbeiter aussieht und sich verhält, den man sucht. Prof. Dr. Gunter Dueck, Referent im DVFA CSIP, nutzt unter anderem als Matrize für sein Führungskräfte-Training das Bild vom Hund (folgsam, treu, untergeben) und der Katze (geht über die Dörfer, nicht zu führen). Im Management, so Dueck verkürzt, findet man überwiegend Hunde. Die sind dafür da, dass alles seinen geregelten Gang geht, dass Prozesse eingehalten werden, dass alle wissen, was sie zu tun haben. Hunde können so etwas, aber was sie nicht können, das ist Innovation und Change Management. Das können hinwieder Katzen, weil es für Ideen für Veränderungen und Innovation Intuition, Spielfreude und eines „Stromern“ bedarf, nicht zu vergessen die Abwesenheit von Aufsicht, Kontrolle und strengen Regeln. (Veränderungen zu implementieren, dazu braucht es dann wieder Hunde.)

Wenn Sie sich nun wieder erkennen, und meinen, Sie kämen als Hund völlig zu Unrecht zu schlecht weg, Entwarnung: es geht hier um die Attribute „folgsam“ versus „verspielt“. Die Kulturwissenschaft kennt den arbeitsamen Menschen (Homo Faber) und den spielerischen Menschen (Homo Ludens).

Würden Hunde als Arbeitgeber Katzen suchen? Vielleicht, wenn es die anderen Hunde im Unternehmen mit der Innovation nicht so haben. Aber erst, nachdem einige Hunde lernen mussten, wie Katzen zu denken, aber daran gescheitert sind. Würden Hunde als Arbeitgeber auch Katzen einstellen? Vermutlich nicht. Oder vermutlich dann nicht, wenn sie ein Rollenbild an die zum Hund umtrainierte Katze (IT) geben, die den Verhaltenstest „Katzensuche“ umsetzt. Das ist aber vermutlich viel zu sehr um die Ecke gedacht. Vermutlich suchen Hunde nach Hunden.

Nach 8 Jahren Finanzkrise stehen viele Banken wöchentlich in der Presse und leisten immer noch Strafzahlungen. Heißt das Motto bei der Einstellung „more of the same“, oder kommen eher Bewerber mit einem zu dem arrivierten und vielfach nicht sehr gut beleumundeten Mitarbeiter positiv aus den Tests heraus? Wenn dem so wäre, so würden viele Frauen behaupten, dann müssten diese Banken in den Tests nach weiblichen Hunden suchen.

Es wäre wünschenswert, aber wahrscheinlich unrealistisch anzunehmen, dass viele Banken eine Personalstrategie haben, nach der sie Mitarbeiter suchen, die andere Skills haben, als diejenigen, die schon da sind, und für die der Shareholdervalue und Profitmaximierung Religion sind. Veränderung braucht Katzen, oder zumindest Hunde, die wie Katzen denken können. Selbst die Bundesbank legt heute schon bei der Beurteilung von Vorstandsteams einen anderen Maßstab zugrunde, als noch vor Jahren. Fünf mal langjährige Erfahrung im Kreditbereich reicht nicht aus. IT-, Regulierungs-, Risikomanagement-Kompetenzen müssen auch dabei sein. Team composition, nennt das der Engländer.

Kommen Sie gut ins Wochenende, und bleiben Sie uns gewogen

Ihr

Ralf Frank

Über Ralf Frank

Ralf Frank ist seit 2002 bei der DVFA, seit 2004 als Geschäftsführer der DVFA GmbH und seit 2011 als Generalsekretär des Verbands.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.