Drohende Überhitzung am Immobilienmarkt erfordert vorausschauendes Handeln

In weiten Teilen Deutschlands kennen die Immobilienpreise das sechste Jahr in Folge nur einen Weg, und der zeigt aufwärts. Und nicht nur das, bereits im vergangenen Jahr hat sich die Dynamik bei den Preissteigerungen nochmals beschleunigt. Nach Zahlen des Verbandes der Pfandbriefbanken hatte sich Wohneigentum in Deutschland bis zur Jahresmitte gegenüber dem Sommer 2015 um mehr als sechs Prozent verteuert. Wohl gemerkt – das ist der landesweite Durchschnitt für die Preisentwicklung und auch der Durchschnitt über die verschiedenen Immobilienarten wie beispielsweise Einfamilienhäuser und Wohnungen. In einigen strukturell schwachen Gegenden finden Häuser auch nach vielen Monaten keine Käufer, dort sinken die Preise. Umso stärker ist der Preisauftrieb in den meisten Wirtschaftszentren. Bei Eigentumswohnungen in den Metropolen liegt das Preisplus auf Jahressicht bereits im zweistelligen Bereich.

Das Risiko einer Überhitzung in einigen regionalen Immobilienmärkten ist also merklich gestiegen, auch wenn wir eine deutliche Korrektur momentan noch nicht erwarten. Andererseits entfernen sich die Immobilienpreise zunehmend von einem fundamental gerechtfertigten Niveau. So beruht doch der Preisauftrieb in Deutschland nach jahrzehntelangem Dahindümpeln auf zwei recht ungesunden Antriebskräften: Zum einen leidet die Vermögensanlage unter dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld und zum anderen hat sich die Zahl der internationalen Krisenherde spürbar vergrößert. Die Sorge um den Zusammenhalt der Europäischen Union fördert wohl ebenfalls die Investitionen in Sachwerte.

Auch wenn die moderate Verschuldung der privaten Haushalte und die im internationalen Vergleich recht strengen Kreditauflagen in Deutschland risikomindernd wirken, halten wir ein Regelwerk für sinnvoll, das greift, wenn die Bundesbank attestiert, dass der deutsche Immobilienmarkt überhitzt ist. Im Krisenfall ist umgehendes Handeln erforderlich, langwierige Gesetzesprozesse würden dann die Lage womöglich nur noch verschärfen. Bereits vor anderthalb Jahren hat der Ausschuss für Finanzstabilität neue Regulierungsinstrumente für den Erwerb von Wohnimmobilien für erforderlich erklärt. Anhand des jetzt vorgelegten Instrumentariums soll die Finanzaufsicht BaFin im Bedarfsfall das Neugeschäft bei Immobilienkrediten kontrollieren. Zusätzliche Meldepflichten für die Kreditinstitute sind glücklicherweise nicht darin enthalten und diese sollte man auch in Zukunft vermeiden.

Über Stefan Bielmeier

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ BANK AG. Seit Mai 2010 ist Stefan Bielmeier Vorstandsmitglied der DVFA, seit Mai 2012 Vorstandsvorsitzender.

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