Nein Herr Trump, Quartalszahlen müssen bleiben

Offensichtlich hat der US-Präsident Donald J. Trump jetzt eine neue Spielwiese für sich entdeckt und legt „Axt an die Quartalsberichte“ wie die angesehene „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ die aktuellen Diskussionen rund um Quartalszahlen beschreibt. Die Börse müsse auf langfristige Werte achten und nicht kurzatmig sein zitiert die Zeitung den wortgewaltigen Politiker.

Ob es soweit kommt, ist noch nicht sicher, auch wenn der US-Präsident natürlich über Twitter mitgeteilt hat, dass er die Finanzaufsichtsbehörde SEC beauftragt habe zu prüfen, ob das geht. Was auf den ersten Blick so aussieht wie ein Rückfall in die Jahresberichterstattung ist es dann aber doch nicht. „Geht über zu einem Sechs-Monate-System!“ lautet sein Plädoyer.

In Deutschland sind wir hier glaube ich schon ein Stück weiter, denn seit 2016 gelten für die quartalsweisen Berichtspflichten (Q1 und Q3) börsennotierter Unternehmen neue Regelungen. Bis Ende 2015 waren im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Unternehmen zur Erstellung und Veröffentlichung von Quartalsfinanzberichten verpflichtet. Seitdem können Freiheitsgrade genutzt werden, wobei für Investoren und Analysten unerlässlich ist, kontinuierlich und transparent informiert zu werden.

Auch aus Sicht der Investor Relations haben Quartalsmitteilungen meines Erachtens klare Vorteile. Mit ihnen ist die Orientierung an den durchstrukturierten Schemata der Rechnungslegungsstandards weiter möglich. Darüber hinaus bieten sie aber zusätzliche Möglichkeiten, die Kapitalmarktstory des Unternehmens zu präzisieren und weiterzuentwickeln, also gerade die eigenen Besonderheiten noch deutlicher herauszuarbeiten.

Wichtig ist für Analysten und Investoren vor allem die Forderung, auf ein Zahlenwerk nicht zu verzichten. Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Kapitalflussrechnung sollten verfügbar sein, was gegebenenfalls eine verkürzte Darstellung nicht ausschließt. Dabei sollten natürlich auch branchentypische Besonderheiten und die entsprechenden Kennzahlen mit berücksichtigt werden. Segmentinformationen sind unerlässlich, um die Geschäftsentwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen besser von außen beurteilen zu können. Ich empfehle, wo immer es hilfreich ist, graphische und tabellarische Darstellungen zu wählen und die Erläuterungen knapp, aber klar zu halten. Dies gilt für Erläuterungen zu wesentlichen Veränderungen, auffälligen Posten, Ereignissen im relevanten Umfeld (Politik, Technologie, Wettbewerb o.ä.) sowie der Prognose.

Dies ist ein klares Plädoyer für die quartalsweise Berichterstattung der Unternehmen, die ein Eigentümer erwartet. Und nichts anderes sind Aktionäre, um es noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Insofern gilt ganz klar und deutlich: Nein Herr Trump, Quartalszahlen müssen bleiben.

Disclaimer: Die in der Reihe Positionen im DVFA-Blog vertretenen Meinungen geben nicht unbedingt die Position der DVFA wieder.

Über Christoph Schlienkamp

Christoph Schlienkamp ist Sell-side Equity Analyst German Small Caps beim Bankhaus Lampe. Er ist Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des DVFA e.V. und Leiter der DVFA Kommission Unternehmensanalyse.

Kommentare zu “Nein Herr Trump, Quartalszahlen müssen bleiben

  1. Radim

    Vielen Dank für die zusätzlichen Erläuterungen. Ich bin jedesmal alarmiert, wenn eine Gruppe von Leuten, die in absolut ehrlicher Anstrengung versuchen, sich gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu stemmen, wie EIKE, in den elenden „Qualitätsmedien“ aus niederen Beweggründen schlechtgemacht werden. Auch Herr Gauland von der AfD, absolut integer, muss sich ständig gegen miese Zeitgenossen wehren, wie jetzt im Sommerinterview. Da habe ich auch schon öfter gedacht, ein wenig Medientraining ist leicht zu bekommen und würde doch so viel Gewinn bringen. Sie haben alle guten Argumente auf Ihrer Seite. Dieser Schellnhuber, den man nicht als Kinderschreck in der Fernseh-Wettervorhersage haben wollte (Tatsache!) leiert den größten Blödsinn runter und kommt scheint‘s kompetent rüber, oder der Knutti, oder der Lesch

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