Herbstliche Konjunktur in Deutschland

Die Inflationsrate ist im Oktober 2018 auf den höchsten Stand seit zehn Jahren angestiegen, und das bei einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung im abgelaufenen dritten Quartal. Eine ziemlich unangenehme Kombination – nach den vielen Erfolgsmeldungen zur deutschen Konjunktur in den letzten Jahren. Doch so schlecht, wie es diese Meldungen auf den ersten Blick aussehen lassen, ist die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland auch nicht.
Die relativ hohe Inflationsrate von 2,5% geht zu einem guten Teil auf die Verteuerung von Heizöl und Benzin zurück. Ohne Berücksichtigung der Mineralölprodukte hätte die Teuerungsrate nur bei 1,7 % gelegen, und damit im Trend des letzten Jahres. Auf dem Spotmarkt ist der Ölpreis aber seit seinem Hoch Anfang Oktober schon wieder um rund 20% gefallen. Das dürfte sich bald auch an den Tankstellen niederschlagen, zumindest sobald die aktuellen Transportprobleme überwunden sind.
Auch beim Wachstum dürfte die schwache Zahl aus dem dritten Quartal (-0,2 % Q/Q) ein Ausreißer gewesen sein und nicht den Beginn einer längeren Krise ankündigen. Über die Sommermonate haben vor allem die Probleme der Autoindustrie auf die Konjunktur gedrückt. Die Produktion musste deutlich heruntergefahren werden, da die Unternehmen ganz offensichtlich die Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard und die entsprechenden Zulassungsregeln nicht rechtzeitig implementieren konnten. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt den davon ausgehenden negativen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) immerhin auf 0,4 %. Damit hätte also, unter Ausschluss dieses Sondereffektes, für die Konjunktur im dritten Quartal immerhin ein leichtes Plus zu Buche gestanden.
Im vierten Quartal dürfte es in der Autoindustrie und bei den Zulassungen einen gewissen Aufholeffekt geben, das ist auch bereits an den Auftragseingängen ablesbar. Für den privaten Konsum, der in den Sommermonaten ebenfalls schwach ausgefallen ist, dürfte es angesichts steigender Einkommen, guter Beschäftigung und tendenziell wieder sinkender Inflation im Schlussquartal auch wieder besser aussehen. Ein wichtiger Risikofaktor bleibt das Thema Handelsbeschränkungen und Strafzölle, das sicherlich auch weiterhin zumindest auf das Sentiment drücken wird.
Insgesamt erwarten wir für das Schlussquartal 2018 eine Wachstumserholung. Dennoch wird die Wachstumsrate für das Gesamtjahr nur bei gut 1 ½ % liegen und damit gut einen halben %-Punkt niedriger als im Vorjahr. Für das kommende Jahr erwarten wir ein weiteres Nachlassen der Wachstumsdynamik, aber mit einem BIP-Plus von knapp 1 ½ % immer noch eine stabile und auskömmliche Konjunktur.

Über Stefan Bielmeier

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt der DZ BANK AG. Seit Mai 2010 ist Stefan Bielmeier Vorstandsmitglied der DVFA, seit Mai 2012 Vorstandsvorsitzender.

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